Hey Boy, Hey Girl: Über “Ico”
Monday, July 6th, 2015 at 13:12

Die “Spiel des Monats”-Serie auf Videogame Tourism widmet sich diesmal einem veritablen Klassiker: Fumito Uedas stillem Meisterwerk “Ico”.

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Wir haben unter anderem darüber nachgedacht, wie treffend darin ein Bild kindlicher Sehnsucht festgehalten wird, ausführlich palavert über Fragen wie die, ob und wie Spiele kanonisch werden und bleiben können, und gleich doppelt festgestellt: Das von einem Publisher mit Mut zur Anerkennung statt Profit getragene Ausnahmespiel ist ein Glücksfall, wie er bedauerlicherweise nur noch selten vorkommt in der heutigen Industrie.

Ich selbst habe zudem einen Essay beigesteuert, in dem ich versucht habe, wichtige Vorgänger im Geist von “Ico” auszumachen — unter ihnen Hans Christian Andersens “Die Hirtin und der Schornsteinfeger” und vor allem Paul Grimaults und Jacques Préverts noch immer viel zu unbekannten Zeichentrickklassiker “Le roi et l’oiseau”. Und das klingt dann in etwa so:

Aber vermutlich ist es letztlich genau dies, was dieses Schloss so außerordentlich in jedem Sinn macht: Es genügt sich damit, märchenhaft zu sein. Ein Objekt, das Staunen und Schwindel und Furcht erregt. Und vielleicht zeigt sich hier die Verwandtschaft mit Le Roi et l’Oiseau deutlicher als irgendwo sonst: Die Konstruktionen in ihrem Zentrum wurden geschaffen im Wissen darum, dass sie weder Sinn noch Zweck zu haben brauchen – oder jedenfalls keinen anderen als den, dazustehen als ein Monument und eine Reflektion des Willens von zwei mal zwei eigenwilligen Schöpfern: dem liebestollen König und dem überambitionierten Schwärmer Grimault auf der einen Seite, und der Schattenkönigin und dem stillen Fantasten Ueda auf der anderen.

Mehr dazu auf Videogame Tourism.

E3 2015: The Sound and The Fury
Wednesday, June 24th, 2015 at 14:35

Das nahaufnahmen.ch-Gameressort hat sich zusammengetan, um den jährlich stattfindenden Oberbudenzauber der Game-Industrie, die E3, Revue passieren zu lassen. Wer ein Panoptikum haben will, soll sich auf nahaufnahmen die Gesamtschau des Teams anschauen. Wer mit einem Tunnelblick zufrieden ist, kann auch im Folgenden mein ganz persönliches Erstaunen (im Guten wie im Schlechten) teilen.

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Das hatte ich erwartet

Nicht viel? Auch Jahrzehnte in der Nähe dieses Mediums haben mir kein genügend dickes Fell wachsen lassen, dass mich diese Veranstaltung nicht doch ein wenig an den falschen Stellen jucken würde. Eine Legion vorgeladener Fachleute aus der Branche, denen der kollektive Schuss abgeht ob der Ankündigung von (aufgewärmten) Absichtserklärungen? Das gibt’s nur einmal. Einerseits. Andererseits: man darf ja zum Lachen auch mal aus dem Keller kommen. Darum habe ich mir vorgenommen, die diesjährige E3 sportlich zu nehmen, oder eher: wie mein von fickeriger Vorfreude geprägtes Lesen der Berichterstattung über das Cannes- oder Sundance-Festival. Schlieslich ist ja durchaus eine vergleichbare Verzögerung zwischen dem Mitgehen durch Mitlesen und der eigenen Erfahrung Monate später gegeben.

Und die schrille Stimme, die mir zuruft, dass in Cannes fertige Filme gezeigt werden und nicht ausgewalzte Werbeclips? Ich rede säuselnd auf sie ein: Jaja, aber jungejunge, was für Werbeclips! Und man soll ja auch die Tatsache nicht kleinreden, dass kein anderes Medium es besser versteht, sich selbst so trunken ob der eigenen Grossartigkeit in den Armen zu liegen. Bring on the Grossleinwand und die schlechtsitzenden Anzüge. Ich bringe dann die Gemütlichkeit und die Bereitschaft, mich überraschen zu lassen. Sollte ich auch nicht enttäuscht werden? Nun…

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Spiel des Monats: Die Souls-Serie
Saturday, May 30th, 2015 at 14:15

Die “Spiel des Monats“-Serie auf Videogame Tourism geht weiter. Im Monat Mai standen die Souls-Spiele im Zentrum, die sich mit Bloodborne als eine der wichtigsten und besten Franchisen bestätigt hat, die dieses Medium je hervorgebracht hat.

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Die Texte beweisen, soviel Lobhudelei muss man aushalten,  einmal mehr, dass Hidetaka Miyazakis Spiele-Familie nicht nur endlos faszinierend ist, sondern auch interessante Texte hervorzwingt. Ich selbst habe allerdings lediglich meinen bereits in der WASD erschienen Essay begesteuert, in dem ich erörtere, warum in Dark Souls 2 das Ende der Magischen Stunde angebrochen ist. Ausserdem habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, in unserer sehr ausführlich ausgefallenen Stammtischdiskussion zum Spiel mitzumischen.

Für das nächste Spiel des Monats, Fumito Uedas Klassiker Ico, gibt es dann wieder frisches Material. Versprochen. In der Zwischenzeit kann ich es aber wärmstens empfehlen, einen Blick auf die Stimmen zu werfen, die aus dem beseelten Kellerloch gesprochen haben.

Home Is Where The Heart of Your Stories Is
Wednesday, April 1st, 2015 at 17:50

Der folgende Text erschien ursprünglich auf Videogame Tourism als Teil einer umfassenden Diskussion von Sunless Sea. Wie meistens war er letztlich aber nur eine Ausrede, um über wichtigere Dinge zu sprechen: Die Notwendigkeit von Geschichten, der Familie und dem letzten Rest dessen, was man als Daheim kannte.

fischlein

The inventory of the world, the mapping of its surface, from Timbuktu to Tahiti, marked the end of all hope. The pilgrimages and voyages to the Fortunate Isles have the same goal: to find for this life a haven of grace. When the hope of paradise is banished from this life, and when we are irredeemably doomed to fail, then, like a collective dream that would this roundabout way to speak, the image of an imaginary city emerges in the description of real life, engaging in a reversal of signs of this world and of the beyond. (Jean Roudant, Les villes imaginaires)

Mein Vater war ein Seemann. Teil einer Hochseeflotte, die überraschend groß ist für ein Binnenland, aber einer Nation angemessen, deren Streben nach neuen Ufern sie, wenn auch kurz, an die Spitze des weltweiten Segel- und Beachvolley-Ranking führte. Mein Vater ist kein allzu gesprächiger Mann. Was ich weiß über seine Jahre auf hoher See, setzt sich zusammen aus Bruchstücken, die Alter und Alkohol – die zwei großen Feinde der Matrosen in ihren reisenden Jahren – gelegentlich aus ihm hervorlocken.

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Spiel des Monats #1:Binding of Isaac
Sunday, February 15th, 2015 at 16:12

Im Jahresrückblick habe ich meinem Unbehagen darüber Ausdruck verschafft, dass die (kritische) Konversation um einzelne Computerspiele immer zerstückelter wird. Auf Videogame Tourism ist unlängst ein (schamlos abgekupferter) Versuch, dem entgegenzuwirken, in die erste Runde gegangen: das Spiel des Monats.

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Die Idee ist es, jeweils in der zweiten Woche des Monats ein — keineswegs zwingend aktuelles — Spiel in den Fokus zu rücken. Der erste Kandidat war Edmund McMillens Kellerkind The Binding of Isaac, das tatsächlich genügend Gesprächsstoff hergab: das Archiv wurde durchwühlt nach Texten aus einer Zeit, in der McMillen tatsächlich noch vorgestellt werden musste, es wurden Bedenken über die Ekelästhetik angemeldet, McMillens Frühwerk aufgedeckt und anhand von Isaac überlegt, ob das Roguelike zur Religionsmetapher taugt. Mein bescheidener Beitrag beschränkte sich darauf, den Ball ins Rollen zu bringen, und auf das Mitmischen in einer Art Stammtischrunde zum Spiel. Fazit? Hat Spass gemacht.

Wir machen auf jeden Fall weiter, mit derselben Struktur (eine beliebige Zahl von Artikeln plus Gesprächsrunde), aber einem neuen Spiel: im Monat März wird dies die literarische Tiefseeexploration Sunless Sea sein, die es mir tatsächlich sehr angetan hat. Insofern: Mitleser und -diskutierende sind herzlich willkommen.

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