• Christof Zurschmitten

Generation X


HYMNE, oder so, aus tiefstem Teenagerherzen heraus geschrien, im Gleichtakt mit dem Slackertum des Zeitgeists.

Hier sind wir. Geboren im Zenit der Zeit. Geboren um die Welt endgültig und unwiderruflich umzugestalten. Hinter uns liegt die süsse, blinde, alte Zeit. Vor uns die unbestimmte Dunkelheit. Noch... Denn unser Auftrag ist es, sie zu einem geordneten Chaos zu machen, sie umzugestalten, zu formen, zu kreieren. Wir sind besser als alles was vor uns kam, als alles was nach uns kommen wird. Wir werden die Welt aus ihren Angeln reissen, sie in Stücke schreien und wieder zusammenfügen. Zu einem neuen, einem besseren Ganzen. Kinder, das sind wir. Kinder mit keinem Richter über uns als unserem eigenem Gewissen. Kinder mit dem angeborenen Drang, uns und unser Schicksal selber zu schaffen. Und das, ohne Gewalt zu verwenden. Unsere Waffen sind wir selber, unsere Ideen, die alles verheerende Flamme unseres Geistes.

Wie drohende Propheten der Apokalypse sind wir in die Wirren der Erde getreten. Und wir werden nicht eher ruhen, bevor nicht die Fehler derer, die vor uns kamen, unbarmherzig ausgelöscht sind. Das ist, wofür wir geboren wurden. Die Welt zu ihren Anfänge zurück zu führen. Aus der Dunkelheit ins Licht.

Und noch während wir uns fragen, wie wir das alles eigentlich bewerkstelligen wollen, schauen wir uns an. Sehen, wie der Stoff um unsere Hüften langsam straffer wird, während unsere Haut zusehends entschlaft. Während wir versuchen zu entscheiden, was wir zuerst verändern wollen, lässt die Schärfe unseres Blickes immer mehr nach, in unseren Seelen wird es dunkler, während die Farbe unseres Haares immer lichter wird.

Wir sehen, dass unsere Zeit knapp wird. Dass wir versagt haben. Manche von uns suchen sich nun den Weg zum einem künstlichen Licht, zu ihrem inneren Paradies, und übersehen dabei, dass der Schatten dahin noch schleichender, noch verheerender, noch drückender seinen Einzug hält.

Andere blicken auf ihre blutüberströmten Hände und geben sich endgültig auf. Wieder andere stürzen sich in falsche Werte, rennen Göttern und Zielen hinterher, die sie nie erreichen werden; die sie nie erreichen wollten.

Und so werden wir hinweggespült von den unerbittlichen Wogen der Zeit, deren langsamen aber stetigem Drängen wir nicht widerstehen können. So sind wir, ehe wir uns versehen, wieder, was wir seit jeher waren: Nur ein Gedankenspiel einer höheren Macht, eine Hoffnung, ein noch glimmender Funke, der alsbald erloschen sein wird. Das ist es, was wir sind, was wir immer waren: Die Generation Ex.

Geschrieben vermutlich kurz nachdem ich mit MS Paint "I'm A Loser Baby Why Don't You Kill" auf ein Adler-Clipart geschrieben hatte. RAW AS FUCK. Aber immerhin gut genug, um am – um derartige Gefühlsausbrüchen nicht verlegenen – Schreibwettbewerb meiner Schule einen Preis zu holen. Was wichtiger ist: Mein Bruder hat den Text kopiert, zusammen mit anderen ähnlich befindlichkeitsfixierten Textpassagen aus der RICHTIGEN LITERATUR, und die Kompilation einem Mädchen zum Geburtstag geschenkt. Es fand meinen Text am besten. Mehr darf man vom Schreiben nicht erwarten.

#90s #generationx #literarischertext

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